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Langzeitreisen - ein Testlauf für Auswanderer 

 

 

„Reisen heißt erkennen,

dass alle falsche Vorstellungen

von anderen Ländern haben.“

(Aldous Huxley)

 

Auswanderungswillige sind begeistert, Auswanderer ernst und Ausgewanderte oft erst einmal ernüchtert. Urlaub und Übersiedeln sind zwei Paar Schuhe. Der Blickwinkel dreht sich im ersten Jahr um 180 Grad und mit ihm der Alltag, die Identität und die Gefühlswelt.

 

Wer erst einmal testen möchte, ob Auswandern und das Zielland richtig für ihn sind, der geht als Langzeitreisender auf Tour, gewinnt Freiheit im Denken und vermeidet naive Euphorie. Wenn der Funke überspringt, findet sich auch ein Plan zur Verwirklichung …

 

Inhalte dieses Textes

- Eine lange Geschichte der Auswanderung

- Modernes Auswandern und seine Herausforderungen

- Ein Plädoyer für Langzeitreisen

- Hilfreiche Tipps 

 

 

Weiterlesen…

 

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Eine lange Geschichte der Auswanderung ...

 

Auswanderer sind eine besondere Spezies Mensch. Sie kappen ihre Wurzeln und reduzieren sich auf wenig Gepäck, um in einem anderen Land unter neuen Bedingungen Wurzelnzu schlagen. Auch in Deutschland gab es schon vor Jahrhunderten richtige Auswandererwellen, meist im Zusammenhang mit wirtschaftlicher oder politischer Notlage, religiöser Bedrängnis oder weil ganze Scharen von den vollmundigen Verheißungen gewiefter Kolonialherren angelockt wurden, die ein neues Stück Erde mit Arbeitskräften besiedeln und daraus Profit schlagen wollten.

 

Im Jahre 1706 veröffentlichte ein euphorischer junger Vikar aus dem Dorf Eschelbronn im Badischen unter dem Pseudonym ‚Joshua Kocherthal‘ ein Buch, dass eine deutsche Massenauswanderung nach Nordamerika auslösen sollte: Ein Bericht über die Landschaften, Schätze und Chancen Carolinas, dass unter den Lesern wegen seiner mit Goldschnitt versehenen Seiten „Das Goldene Buch“ genannt wurde und 4 Auflagen erreichte (Originaltitel: „Ausführlich- und umständlicher Bericht von der berühmten Landschafft Carolina / In dem Engelländischen America gelegen“). Der Autor selbst hatte Amerika nie gesehen, war aber auf einer Reise nach England mit Agenten zusammen gekommen, die in schönsten Tönen die neue Kolonie anpriesen. Auch 30 Jahre zuvor schon hatte bereits ein gewisser William Penn,  vermögender britischer Admiralssohn, zwecks Gründung einer neuen Kolonie ‚Pennsylvania‘ eine Werbekampagne in Deutschland gestartet. Eines Tages verschwand der Vikar mit seiner Familie spurlos – das Buch hatte ihm die Überfahrt finanziert. Diesem ‚Reiseführer ins gelobte Land‘ glaubten mehr als 13.000 Deutsche und hofften auf eigenen Besitz und Freiheit – wobei viele niemals in Carolina ankamen. Sie gaben nach oft monatelanger Warterei auf die Verschiffung in den schäbigen Hafendocks auf oder wurden von Schiffskapitänen oder Politikern im 'gelobten Land' einfach woanders hingebracht - je nach Bedarf. Insgesamt wanderten über 8 Millionen Deutsche seit Mitte des 17. Jahrhunderts aus, nicht nur nach Nordamerika (USA, Kanada), auch ins riesige Russland (Wolga), nach Südamerika (vor allem Brasilien, Argentinien, Venezuela,  Uruguay) und in späteren Zeiten nach Asien. Als Sucher nach Gold, Geld und Land, in religiöser Mission oder als politisch Verfolgte. In der Literatur kaum erwähnt werden jedoch die vielen, die auf der langen Überfahrt starben oder enttäuscht zurückkehrten. Das Neuverwurzeln hatte nicht geklappt. Entweder war es dann doch nicht das ‚Traumland‘ oder es ergaben sich unerwartete Schwierigkeiten, denn sie waren zwar mit Optimismus, aber ohne glaubwürdige Informationen und mit nur minimaler Ausrüstung losgezogen.

 

Tief in denBergen Nord-Venezuelas, 70 km westlich von Caracas, hat bis heute eine Kaiserstühler Gemeinde in ihren Traditionen überlebt, „Colonia Tovar“. 358 Bürger aus 4 badischen Dörfern wanderten 1843 geschlossen aus, mitsamt Pfarrer, Lehrer, Arzt und Apotheker. Angelockt hatte sie ein umtriebiger Unternehmer namens Tovar mit dem Versprechen auf Arbeit und Wohlstand. Nur holte sie an dem einsamen Strand, wo das Schiff sie auslud, niemand ab – der Unternehmer war inzwischen pleite gegangen. So wanderten sie selbst los. In einem Tal in den Bergen, das der Heimat ähnelte,bauten sie ein Dorf auf und blieben von der Welt vergessen - bis zum Bau einer Teerstraße 1943 durch das Gebiet. Man staunte nicht schlecht: ein Schwarzwalddorf ohne Strom, mit ursprünglicher Handwerkskunst und Landwirtschaft,  Fachwerkhäusern, badischen Straßennamen und blonden Frauen in Trachten anno dazumal, die„Ditsch“ sprachen. Anfangs kamen nur einige Sensationslustige, dann gefielen die Kuckucksuhren, die Wurst und die Urigkeit der engen Gassen. Heute bahnen sich Autokaravanen am Wochenende über die gut ausgebaute Straße ihren Weg bis zu dem engen Tal. Das Dorf mit inzwischen 14.000 Einwohnern gilt als das vermögendste in Venezuela. Reichlich ‚echter‘ Nippes 'made in China', findet seine Käufer, genauso Fleischsalat und ‚Tovar Bier‘ bei der ‚badischen Fasnet‘ und dem Tanz um den Maibaum, zwischen Häusern, deren Fachwerk jetzt nur noch aufgemalt ist. Die Partnerschaft mit der Stadt Endingen im Kaiserstuhl hält die alten Traditionen aufrecht, aber die Jungen fühlen sich als Venezolaner.

 

Modernes Auswandern und seine Herausforderungen

 

Die Motive für moderne Auswanderer sind sicher andere (und damit auch die Wahl der Auswandererländer). Aber auch heute noch durchlaufen sie meist eine ‚Krise‘. Manchmal aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten, häufiger jedoch aus Verlust von Illusionen. Denn nach etwa einem Jahr ist der Zauber des Neuen verweht und Alltag macht sich breit. „So hatten wir uns das nicht vorgestellt“. Dabei waren sie – im Vergleich zu den frühen Vorgängern - gründlich informiert, hatten das Land meist schon einmal besucht, in Internetforen oder Bekanntenkreisen von Erfahrungen anderer gehört, einen Berg Papierkram und die Jobsuche erfolgreich bewältigt, sich mit der Aussicht auf häufige Besuche ‚zu Hause‘ verabschiedet  – und dennoch … Die Stimmung will einfach nicht mehr euphorisch sein, immer öfter kreisen Bilder der ‚alten Heimat‘ imKopf herum und wird heimlich abgewogen: was ‚kostet‘ die Rückkehr an Geld, Aufwand und Enttäuschung?

 

Mehrere Haken sind an der Sache.

Der erste: Auszuwandern bedeutet, seine Identität zu verändern und viel Geliebtes hinter sich zu lassen. Und die Feinheiten einer neuen Kultur erschließen sich erst im Laufe der Zeit.

Der zweite: Man nimmt sich selbst mit, alle Talente und Fähigkeiten, aber auch die ‚unerledigten Geschäfte‘ und die Gewohnheiten. Was in der alten Heimat nicht gelang, wird auch hier Schwierigkeiten machen.

 

Zum ersten Punkt: Auswandern ist zunächst einmal eine ‚Reise ohne Rückflugticket‘. Am Anfang lockt das Fremde und okkupiert den Geist mit freudigen Entdeckungstouren und heimlichen Vergleichen mit dem Bekannten zu Hause. Ist das neue Feld aber einmal abgegrast, fliegt der Auswanderer nicht wie ein Urlauber zurück in die gewohnte Umgebung. Er muss nun einen neuen Alltag erschaffen – unter den Bedingungen des Gastlandes. Erfolgreich (zufrieden, sozial integriert, mit geregeltem Auskommen) auszuwandern impliziert, mit dem neuen Land und seiner Kultur zumindest zum Teil zu ‚verschmelzen‘, zu lernen wie ein Einheimischer zu denken, zu fühlen und zu handeln. Die alte Identität wie eine Haut abzulegen und in eine neue hinein zuwachsen geht nur in kleinen Schritten. Und es bleibt letztlich doch eine ‚Patchwork‘-Identität, schon von Aussehen, Sprache und Name her. Der Status des ‚Touristen‘ gewährt Vorzüge, die einem Einwanderer abgesprochen werden. Der Umgangmit Werten, Regeln und Verboten, die von Kindheit an gelernt wurden, wird schwierig, wenn in der einheimischen Kultur ganz andere gelten. Viele neue Benimm-Regeln und Tabus sind zu lernen, denn Auswanderer haben sich anzupassen, nicht umgekehrt. Niemand spricht langsamer, weil die Sprache noch fremd ist, kein Polizist lässt durchgehen, wenn ungewohnte Verkehrsregeln übertreten werden. Und Einwanderer sind oft eine leichte Beute für Diebe und Korruptionswillige. Einwanderungsbehörden denken nicht unbedingt gastfreundlich, sondern prüfen den Gewinn, den Auswanderer für das Land bringen: Geld, Arbeitskraft, Jugend. Dass tand so nicht im Prospekt‘ will niemand hören, für Auswanderer gibt es keine Beschwerdestelle. So bleiben viele unter sich, suchen die Gemeinschaft von Landsleuten – ‚Deutsche Küche‘ und ‚Deutsches Weihnachten‘ unter Palmen.

 

Zum zweiten Punkt: Naturgemäß stellen diese Bedingungen die Psyche der Auswanderer auf eine harte Probe. Das gesamte Sein und Dasein krempeln sich um. Der Körper muss sich an fremdes Klima und Essen gewöhnen (die früheren Auswanderer litten noch sehr unter Ungeziefer und dem Klima, viele starben an ihnen unbekannten Krankheiten). Die Gefühle finden oft keineRuhe angesichts permanenter Konfrontation mit dem Fremden. Ein beliebtes Thema für jahrelange Diskussionen sind all die Ungereimtheiten, die in der neuen ‚Heimat‘ entdeckt werden. Soziale Integration kann nicht nur an mangelndem sozialen Geschick oder Willen zur Veränderung scheitern, sondern auch an Mauern, die von Einheimischen aufgestellt werden gegenüber den ‚Ausländern‘. Sie wollen ihre Kultur vor ‚Überfremdung‘ schützen – wir sehen es hier genauso im eigenen Land. Die Gründe sind vielfältig. Offensichtlich sind mehrere Generationen notwendig, damit verschiedene Kulturen zusammen wachsen. Gleichzeitig wird die Kommunikation mit den zurück gebliebenen Freunden und Angehörigen im Heimatland schwierig: Wie ihnen erklären, welche Schattenseiten das ‚Paradies‘ gerade zeigt. Leise kommt die Erkenntnis auf, dass auch ihrLeben weiter geht und der Ausgewanderte nicht mehr aktiv daran teilnimmt. Gefühle von Einsamkeit und Überforderung liegen offen, in der Folge Zweifel an der Entscheidung und heimliche Sehnsucht ‚nach Hause‘. Sie hemmen Neugier und Tatkraft und spätestens beim ersten großen Unwetter mit Überschwemmung oder einer politischen Krise verabschiedet sich die Zuversicht.

 

Ganz oder gar nicht‘ hieß es früher für Auswanderer, fast niemand hatte die finanziellen Mittel für den Rückweg. Ein Nachteil gegenüber heute, aber auch ein Vorzug: Wer mit 100 % Kraft und Wille nach vorn schaute, mobilisierte ungeheure Kräfte. Der‚Identitätssprung‘ geschah umfassender, denn schnellstmögliche Anpassung war gefordert, volle Präsenz im Hier und Jetzt. Abkapseln oder Zurückschauen bedeuteten Untergang. Heute dauert die Reise nach Neuseeland 23 Stunden per Flieger, noch vor 50 Jahren per Schiff drei bis sechs Monate – die Psyche hatte Zeit sich umzustellen und sich mit all dem zu befassen, was in der alten Heimat ungeklärt und unbetrauert geblieben war. Zu anderen Mitreisenden entwickelten sich erste Kontakte, man war nicht allein und teilte das ‚Schicksal‘, die Enge auf den Schiffen erforderte soziale Kompetenzen. Und irgendwann war jeder bei der unbequemen Überfahrt einfach froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben – das schuf die hohe Anpassungswilligkeit. Wer heute unbedarft loszieht, der erwartet oft zu viel und verdaut Enttäuschungen (also das Ende seiner Täuschung) nur unwillig, ist mit seinem Herz nur halb ’drüben‘ und lädt Verzagen ein, wo ganzer Einsatz gefordert ist.

 

Daher nun ein Plädoyer für Landzeitreisen alsTestlauf.

 

Mit demVorzug der größeren ‚Echtheit‘ einer neuen kulturellen Erfahrung kombinieren sie gleichzeitig das Rückflugticket des Urlaubs. Im Heimatland bestehende Strukturen und Kontakte nehmen den Weltenbummler wieder auf. Reisende waren zwar eine lange Weile von der Bildfläche verschwunden, aber haben nun viel zuerzählen und ‚gehören weiter dazu‘. Sie werden als Einheimische erkannt, ihre Wurzeln sind geschützt. Und dennoch hat sich etwas verändert: Langzeitreisen bewirken vielfältige psychische Effekte. Besonders wenn sie open-end starten, ist große Offenheit da für ein Sich-Einlassen. Reisen bedeutet Vergrößern des ‚Möglichkeitsraumes‘ im Kopf: so geht das also auch! Manche Grenzerfahrung holt sämtliche eigene Kreativität hervor, Willen und Durchhaltevermögen, die Fähigkeit zur spontanen Entscheidung. So kehren Reisende heim mit gewachsenem Selbstvertrauen, verfeinertem sozialen Gespür und Dankbarkeit für die Qualitäten anderer Kulturen. Wer dann gezielt auswandern will, tut dies mit mehr Realitätssinn und vielleicht schon einigen verlässlichen Kontakten.

 

Auf Reisen in ferne Länder lernt man nicht das Land kennen, sondern sich selbst“ sagt ein Sprichwort aus Tibet. Kein Terminkalender, der die Zeit strukturiert und das Denken in gewohnten Bahnen hält. In der scheinbaren Leere der Wüste, des Ozeans oder eines einsamen Gebirges wird der Verstand stumm, jedoch das Spüren in sich hinein und in die Welt hinaus lebendig. Gefühle können ohne Zensur nach oben treten, manchmal auch überbordend, wenn sich viel angestaut hat. Daneben die ungeheuren Schönheiten in der Natur und die vielen fremdartigen Entdeckungen in der Kultur des Gastlandes. Aber nichts wird von anderen vorgesetzt, alles liegt in eigenerHand.

 

Wenn Du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast“ (Nossrat Peseschkian). Menschen auf Langzeitreisen entdecken oft den Künstler in sich, wie uns die Heldin aus dem Film „Out of Rosenheim“ demonstriert. Und sie begreifen leise, dass sie vor langen Jahren, als Beruf, Partnerschaft und bürgerlicher Lebensstil gewählt wurden, wohl zu eng dachten. Nicht nur über die Welt, auch über sich selbst. „HektorsReise oder die Suche nach dem Glück“ (Francois Lelord & Ralf Pannowitsch) wurde vor Jahren ein Renner auf dem Büchermarkt. Ein trotz Erfolg unzufriedener Psychiater macht sich auf den Weg zu neuen Erfahrungen rund um den Globus. Er entdeckt sich selbst und seine ‚Begabung zum Glück‘ darin, andere Menschen und seine eigenen Reaktionen zu beobachten, die er in Glücksregeln verwandelt.

 

Allerdings will diese Art Reisen praktisch ausprobiert und gelernt werden, nicht nur als Erfahrungsschatz aus Büchern. Besonders die Frage „Ist das was für mich?“ kann man erst beantworten NACH einer solchen Erfahrung. Viele beginnen mit Reisen im vertrauten Europa, bevor sie sich nach Übersee trauen. Oder sie fahren erst mitKoffer, dann mit Rucksack und landen schließlich im selbst gebauten Offroad-Wohnmobil. Auch die Ausstattung verändert sich mit der Zeit, von den kleinen Tricks (ein Röllchen Geschenkband als Wäscheleine) bis zum Netbook im Handgepäck. Wer sich allerdings zu unbeleckt in das große Abenteuer stürzt, macht schnell üble Erfahrungen: Krankheiten, Unfälle, Diebstahl undDrogenhändler oder die Herausforderungen ungewollter Einsamkeit. Ein Mann erzählte mir von einer Begegnung in Südamerika – die Frau des Lebens in einer chilenischen Kleinstadt. Nach 3 Tagen Liebestaumel änderte er seine Pläne undverschwand ohne Spuren zu hinterlassen über Nacht. Es war eine schwere Entscheidung – „… wäre ich noch einen Tag geblieben, dann für immer.“

 

Reisen hat andere Qualitäten als ‚Urlaub‘ – selbst wenn sie in dieselben Länder führen. ‚Urlauber‘ haben andere Wünsche. Sie befördern sich an einen fremden Ort, der möglichst planbar ist und vom Geist wenig fordert, alles wird im vorausa rrangiert: Unterkunft, Verpflegung, Aktivitäten. Ziele sind Erholung undG enuss, abgestimmt auf den eigenen Geschmack. Keinesfalls Anstrengung, Unvorhersehbarkeit, Fremdheit oder gar Konfrontation mit Gefahren. Doch genau diese machen den Reiz des individuellen Reisens aus. Der eigene ‚Horizont‘ hat sich zwangsläufig zu erweitern, scheinbare Selbstverständlichkeiten sind inFrage gestellt. Wir werden aufgefordert zu improvisieren und uns selbst neu zudefinieren. Die soziale Rolle zu Hause spielt hier keine Rolle. Damit fälltauch die ‚soziale Kontrolle‘ zu Hause weg. Jedoch beobachten den Reisenden nun andere, und sie haben ihre eigenen Spielregeln bezüglich Kleidung, Benehmen und Geld. Wir bekommen einen Spiegel vorgehalten, wer wir sind aus den Augen der anderen und wo unsere Toleranz aufhört für deren Eigenarten. Wie gehe ich mit fremden Gebräuchen, anderem Zeitverständnis, Transportengpässen, Schmutz und dem allgegenwärtigen Müllproblem um? Das Gehirn schaltet um von ‚linkshirniger‘ Logik auf ‚rechtshirnige‘ Wachsamkeit und Intuition. Oft muss verzichtet werden auf gewohnten Luxus (womit sich eine Dankbarkeit für die kleinen Dinge einstellt). Kein noch so guter Reiseführer beschreibt das subjektive Erleben, die Begegnungen am Rande oder liefert Trost beim Durchhänger. Es gibt Momente großen inneren Glücks, aber auch solche, in denen sich ein Reisender am liebsten nach Hause wünscht.  

 

In der Weltliteratur gibt es reichlich Stoff  über sogenannte „Heldenreisen“. Odysseus, Parseval oder „das tapfere Schneiderlein“, das 7 (Fliegen) auf einen Streich erwischte und daraus schloss, es sei Zeit für Abenteuer. Sie alle zogen aus ‚das Fürchten zu lernen‘ (oder besser: zu ver-lernen) und kehrten gereift zurück. Die „Walz“ der Zimmermannsgesellen wird wieder modern – mit festgelegten Regeln wie anno dazumal: 3 Jahre lang darf er der Heimat nicht näher als 100 km kommen, er zieht los mit einer einzigen, wenn auchhaltbaren Kluft, mit eigenem Werkzeug, aber ohne Geld – das muss auf der Reise verdient werden. Diese Bedingungen fordern Flexibilität, Improvisationstalent und soziales Geschick. Ich begegnete einigen von ihnen in Deutschland, anderen in Griechenland oder sogar in Neuseeland. Kehren sie in den Heimatort zurück, haben sie ein großes Fest auszurichten. Durch ihren Erfahrungsschatz und die gereifte Persönlichkeit sind sie begehrte Mitarbeiter, viele machen sich später selbständig im eigenenBetrieb.

 

Auf meinen eigenen Touren bin ich vielen jungen Reisenden begegnet, die ganz selbstverständlich mit der zunächst fremden Kultur umgehen, in Gastfamilien leben oder in entlegene Gegenden den ersten ‚Tourismus‘ bringen, häufig als Vorreiter für spätere Scharen von Pauschaltouristen (oft eine unglückliche Folge für die Einheimischen). Sie stürzen sich in ein Abenteuer und erfahrene erst dort, dass sie in jeder Situation plötzlich die nötigen Fähigkeiten aus sich selbst schöpfen können - 'man wächst an seinen Aufgaben'. Sie sind neugierig, spontan, aber oft auch genervt. Die Bequemlichkeiten zu Hause werden vermisst - aber dann findet sich doch eine Lösung und es geht weiter. Zu solchen ‚Wandlungskünstlern‘ gehören auch immer mehr Menschen, die laut Geburtsdatum nicht mehr als jung gelten, aber große Frische und Heiterkeit ausstrahlen. Sie zeigen Neugier und Beweglichkeit, Offenheit und Toleranz selbst in skurilen oder schwierigen Situationen. Und eine tiefe Genussfähigkeit.

 

Seit den70ern gibt es sie, die ‚Globetrotter‘, die auf den ersten Touren mit dem alten VW Bulli auf der „Barfussroute“ nach Indien vom ‚Reisevirus‘ erfasst wurden (und nicht nur vom spirituellen Erlebnis im Osho-Ashram in Pune). Und noch viel länger die Matrosen auf Segelschiffen und Hochseedampfern – ein Beruf mit eigenem Reiz, aber weniger schmeichelnd als das nostalgische Seefahrerleben à la Hans Albers. Auch Frauen haben solchen Mut gezeigt und ihre erstaunlichen Entdeckungen in dahin unbekannten Kulturen in Büchern dokumentiert, einige vor weit mehr als hundert Jahren und nicht wenige in der Verkleidung eines Mannes. Reisen kann zum eigenständigen Lebensstil werden, zu einer Identität. Geld wird unterwegs mit Jobs verdient, es entwickelt sich eine ‚Routine der Nichtroutine‘. Durchaus Romantik am Lagerfeuer, dann wieder harte Arbeit. Besonders wenn man auf dem eigenen Segelboot oder imWohnmobil auch Kinder groß zieht, braucht es ungeheure Umsicht, Klugheit und Organisationstalent. Aus solchen Entdeckern wurden Buchautoren (Reiseabenteuer und Reiseführer),F otographen (Diavorträge) oder Betreiber von Globetrotter -Läden. Manche kehren nie zurück, werden zu Mitarbeitern von „Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit“ oder lassen sich ganz in einer anderen Kultur nieder mit einem „Guesthouse“ für die neuen Reisenden. Das Gleichmaß in einem hochentwickelten Land wie Deutschland schreckt sie ab. Reduziert zu sein auf ein Leben mit festen Zeitplänen wird unvorstellbar, berufliche Konkurrenz und gängelnde Bürokratie, das Streben nach Status und materiellem Besitz ihr Graus. Kehren sie dennoch zurück, dauert die Reintegration lange und wird oft als innerer Verlust erlebt nach den vielen inspirierenden Erfahrungen in der Freiheit, nach den Abenteuern und dem Rausch der Schönheit von ‚Mutter Erde‘. Oder nach viel Armut und Not um einen herum, die tief berühren und aus denen dennoch Würde und Lebensfreude sprechen. Der Film „Dschungelkind“ hat dies vor wenigen Jahren gut demonstriert.

 

Zuletzt daher einige Tipps

 

  •  Auswanderungswillige finden TV-Dokumentationen, Bücher und spezielle Foren im Internet – doch Vorsicht: Vieles wird entweder in rosigen oder in ganz düsteren Farben geschildert und ist selten umfassend. Für Freiwilligendienste, au-pair-Jobs und „work and holiday“- Angebote mit Sonderkonditionen bis 29 Jahren gibt es professionelle websites von privaten, schulischen und studentischen Vermittlungsagenturen. Auch unzählige Organisationen der Entwicklungs-zusammenarbeit offerieren Info-Veranstaltungen und die Möglichkeitzum direkten Gespräch mit Erfahrenen (www.entwicklungsdienst.de für einen Überblick). Relativ neu sind Angebote für Senioren, die ihre beruflichen Qualifikationen im Ausland weiter einsetzen möchten. Eine gute Anlaufstelle für Informationen aus erster Hand über das Langzeitreisen ist zum Beispiel die „Deutsche Zentrale für Globetrotter“ (www.globetrotter.org). Rüdiger Nehberg, der deutsche „Sir Vival“ der Überlebenskunst, ist seit Jahrzehnten durch spektakuläre Aktionen, Medienberichte und Bücher bekannt. 2010 erschien er 75-jährig voller Energie, Begeisterung und Charisma zu einem Vortrag, um für sein neues Projekt „Target“ zu werben (Kampf gegen die brutale nordafrikanische Praxis der Mädchenbeschneidung). Inspirierende ‚Geschichten‘ finden sich in Büchern (Biographien), doch auch hier ist die Frage, wie weit diese Erlebnisse heute noch möglich sind in einer Welt, die mehr und mehr vernetzt ist. Wer Verwandte in einem Auswanderungsland hat, der kann mit ihnen bei einem Besuch auch die Chancen einer Auswanderung umfangreich besprechen.  
  • Widmen Sie die Reise bewusst der Klärung von Auswanderung, dann macht es Sinn, vorher ein Ziel zu definieren. Formulieren Sie das Ziel klar und deutlich in der Gegenwartsform („Ich finde heraus, ob dies das richtige Auswanderungsland auch für meine Kinder ist“). Das Wort ‚versuchen‘ nimmt Kraft und Klarheit weg und betont Unsicherheiten („Ich möchte versuchen, eventuell…“). Auf Reisen können wir sowohl etwas ‚erkennen’ wie etwas ‚erleben‘ oder etwas ‚tun‘. Wenn ein Reisender alles, was ihm begegnet, als Information und Aufforderung zur inneren Wandlung betrachtet, dann werden selbst ein nerviger Taxifahrer, die vielen Alltagsbegegnungen mit Einheimischen oder Momente der inneren Einsamkeit zum ‚Lehrer‘. Beobachten sie ‚übliches Sozialverhalten‘, durchstöbern Sie das Angebot der Supermärkte, lesen Sie einheimische Zeitungen, nehmen Sie Kontakt mit bereits Eingewanderten auf und suchen Sie für die aktuelle gültigen Bestimmungen die Einwanderungsbehörde auf.  
  •  Sind Sie sich noch nicht sicher über ein für Sie interessantes Auswan-derungsland, dann stellen sich Fragen nach alternativen Reiseländern, Reiseform und Reisedauer. Geht es um Job, Wohnqualität, Preise oder Freizeitwert oder auch um die politische, wirtschaftliche und ökologische Situation vor Ort? Wie lange würde Ihr Geld reichen, wenn Sie nicht schnell einen Job finden oder der erste sich nicht als der richtige erweist? Sind Sie bereit, eine neue Sprache über das Touristenniveau hinaus zu lernen? Sind Sie auf derSuche nach sich selbst? Wüsten, Ozeane und andere weite einsame Landschaften schaffen Distanz, innere Ruhe und Konzentration – erst einmal verlockend für stressgeplagte Menschen. Aber auf Dauer mag das kulturelle Angebot fehlen. Die Freiheit in der Natur in wenig besiedelten Ländern konfrontiert auch mit eigenen Grenzerfahrungen, wo die Landschaft eben keine Grenzen kennt. Ein Land mit hohen spirituellen Werten führt auch in die Tiefe des eigenen Selbst hinein. ‚Exotische‘Kulturen und tropische Regionen locken mit Aufregung, strahlenden Farben und quirligen Menschen, diese Art der ‚Fülle des Lebens‘ kann auch anstrengend sein (der Kinofilm „Best Exotic Marygold Hotel“ ist diesbezüglich sehr empfehlenswert, nicht nur für auswanderungswillige Senioren).  
  • Was nehmen Sie bewusst mit? Und was lassen Sie als sonst gewohntes Gepäck, als Ballast zurück (wie den umfangreichen Kosmetikbeutel)? Was möchten Sie vorher noch klären? Welche offene Frage nehmen Sie mit auf die Reise? Je klarer Ihnen der innere Auftrag einer Reise ist, desto klarer werden auch die Ergebnisse - nur oft nicht in der Weise wie erwartet. Erlauben Sie Ihrem Unterbewusstsein, Ihnen Lernaufgaben zu schicken, die Sie über das Gewohnte hinaus bringen. Manchmal haben wir unbewusst die Pforten bereits geöffnet: ein ‚Fehler‘ bei der Vorbereitung und der Reiseführer ist vergessen. Oder ein Problem tritt auf und erfordert spontane Planänderung. Behalten Sie dennoch Ihr inneres Ziel im Auge, es geht bei vielen Ablenkungen leicht unter. Je weniger ein 'Programm' vorweg geplant wurde, desto mehr Raum bleibt dafür, dem eigenen Impuls zu folgen und sich in Kommunikation mit dem Land zu versetzten – jenseits der touristischen Highlights.  
  • Führen Sie ein Reisetagebuch, in dem Sie bereits Ihr Ziel und die Vorbereitungen aufnehmen. Es sortiert das Denken und fördert die Verbindung zwischen Denken, Gefühlen und den Botschaften aus dem Unterbewusstsein. Der Ablauf einzelner Tage ist nicht wesentlich,  viel mehr Eindrücke und Erkenntnisse. Wo haben Sie sich ‘anders‘ erlebt als üblich, welche Details über die Kultur des Landes haben Sie berührt, worauf gälte es zu verzichten, was bietet es auch anderen, die mit Ihnen auswandern würden? Haben sich erste Kontakte und konkrete Chancen aufgetan? Nehmen Sie ein ‚inneres Aber‘ ernst. Welche Entscheidung deutet sich an, zu der Sie sich vielleicht noch nicht durchringen können? Spätestens kurze Zeit nach der Rückkehr wird eine Antwort auftauchen.  
  • Am Ende einer Reise haben sich die Glaubenssätze bewähren müssen, die Sie vielleicht über sich und das Land hatten. Wenn Sie immer noch auswandern wollen, beginnt nun die umfangreiche Feinarbeit: Konkrete Informationenfür Ihr Vorhaben zu sammeln, die beteiligten Menschen aufzuklären und die Auswanderung auch bezüglich Job und Wohnung praktisch vorzubereiten. Das istein weites Feld … Anders als beim Umzug innerhalb des eigenen Landes gibt es am Abreisetag kaum noch Möglichkeiten, etwas nachzuholen, das bis zum gesetzten Termin nicht erledigt ist – planen Sie also großzügig und detailliert. Oder überlegen Sie einen ‚Plan B‘ – für den Geduldigen kommt oft eine neue Chance über Nacht, die sich dann als sinnvoller erweist. Aber geben Sie die Idee des Auswanderns nicht einfach auf – eine ‚innere Stimme‘ hat sich nicht umsonst gemeldet – sie möchte Veränderung.

 Auch wenn Sie sich gegen die Auswanderung entscheiden, bleibt Ihnen der größte Gewinn aus der Reise: Die alten ‚Wahrheiten‘ sind jetzt ‚Wahlmöglichkeiten' aus einer Palette anderer möglicher Lebenskonzepte. Der Transfer in die Praxis des heimischen Lebens ist allerdings eine Herausforderung und manch guter Vorsatz wird wieder versanden. Nach dem Hoch (oft gegen Ende der Reise) kann ein vorüber gehendes Tief eintreten – die Rückkehr in den Alltag erscheint als plötzlicher Wetterwechsel. Die Lebensumstände zu Hause sind unverändert, die Mitmenschen fragen nach dem 'Erholungswert' und erwarten ein nahtloses Fortsetzen des Bisherigen. Dann hilft es, mit dem neuen offen Blick den Alltag zu durchforsten: Was wollen Sie davon behalten, was nicht mehr ‚aushalten‘? Und wie kann es gelingen, wenigstens eine einzige Vornahme zu retten für das neue Leben? Welche ist die wichtigste, für die Sie auch einen Preis in Kauf nehmen?

 

Gehen Sie öfter einmal in die Warte eines fliegenden Vogels, der auf die Landschaft unter sich herab schaut. Was sagt die Innere Stimme über den Sinn Ihres Lebens? Wo sehen Sie Ihren Weg in 5 Jahren? Auf diese Ebene reicht der Alltag selten hinauf, dort erhalten Visionen Nahrung!

 

 

 

 

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin

bei

Seminare und Coaching Rhein-Sieg

 


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