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Die Kraft therapeutischer Zeremonien



Soll Veränderung wirklich greifen, muss sie auch das Unterbewusste erreichen und dort neue ‚Anker‘ setzen. Eine in kurzer Zeit wirksame und noch dazu von jedem Menschen in Eigenregie durchführbar Strategie ist eine gut platzierte und vorbereitete ‚therapeutische Zeremonie‘. Im Unterschied zu öffentlichen oder religiösen Zeremonien liegen Ziele und Gestaltung in eigener Hand. Allerdings brauchen auch sie eine gute Vorbereitung, innere Sammlung und ein besonderes ‚setting‘. Mittels bedeutungsvoller symbolischer Handlungen werden emotionale Zäsuren zwischen einem  vorher‘ und einem ‚nachher‘ gesetzt. Drei Phasen – drei Aufgaben – keine ist verzichtbar. Selbst lang zurück liegende Ereignisse können mit Hilfe von Zeremonien zum Frieden gebracht werden. Denn Emotionen kennen keine Alterung im üblichen Sinne. Genauso kann das Selbstvertrauen für das Heute gestärkt oder eine Zukunftsvision in das Heute eingeladen werden.


Der Text beinhaltet folgende Unterthemen:

- geläufige Formen und Funktionen von Zeremonien und Ritualen im        Leben

- Abgrenzung der therapeutischen Zeremonie zu Ritualen und zu                Religion/Spiritualität

- Was genau passiert dabei in der Psyche?

- Die Strategie und Vorgehensweise

- Einsatzmöglichkeiten von therapeutischen Zeremonien bei                         verschiedenen Themen

- Zeremonie als Einzelperson oder lieber in einer Gruppe?

 

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Zeremonien und Rituale begleiten unser Leben

Wir alle kennen Zeremonien und Rituale in vielfacher Form, auch wenn sie uns gar nicht als solche auffallen. Sie sind selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags und haben dort eine Funktion. Erst wenn sie weg fallen, bemerken wir, dass etwas fehlt. Als lebendiger und berührender Vorgang haben sie einen eigenen Zauber, der uns jenseits von Denken und gelerntem Wissen tief innen berührt. So sind uns Zeremonien und Rituale vertraut im Alltag als Jahresfeste wie Geburtstage und Gedenktage, aber auch als Aufnahme- und Entlassungszeremonie in der Schule, zur Geschäftsgründung und beim Hausbau, selbst als Begrüßungsgeste oder als tägliches Morgenritual. Viele Veranstaltungen (Karneval, Seminare, Betriebsfeiern) nutzen Zeremonien, um Menschen näher zusammen zu bringen oder in eine andere Stimmung zu versetzen.

Oder im religiösen Rahmen als sonntägliche Messe oder als kirchliches Jahresfest, zu einer besonderen Weihung und Segnung, zur inneren Reinigung und Erneuerung, zur Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft oder beim Abschied eines geliebten Menschen.


Wie vielfältig und verbreitet sie sind, beschreibt Lukas Niederberger in seinem Buch „Rituale – Was uns Halt gibt“:

„Rituale intendieren und erzeugen eine breite Palette von Wirkungen. Für Kulturwissen-schaftler bilden Rituale den Kitt der Gesellschaft. Hirnforscher halten sie für Ordnungsstifter, und Ethnologen unterscheiden Rituale nach vielen Funktionen:  Fruchtbarkeits-, Schutz-, Abwehr-, Vergöttlichungs-, Opfer-, Versöhnungs-, Bindungs-, Tausch-, Gedenk-, Buß-, Sühne-, Wiedergutmachungs-, Abschreckungs-, Initiations-, Ernennungs-, Aufnahme-, Übergangs-, Ehrungs-, Begegnungs-, Begrüßungs-, Abschieds-, Trennungs-, Heilungs-, Beschwörungs-, Dank-, Trauer-, Versammlungs-, Reife-, Macht-, Unterdrückungs-, Gewalt-, Verzichts-, Prüfungs- und Reinigungsrituale. Je nach Situation und Kontext sind die Funktionen von Ritualen mehr sozio-kultureller, psychisch-emotionaler oder auch ausdrücklich religiös-spiritueller Natur.“ (Freiburg i. Br.: Herder, 2012, S. 55)

 

Etwas Theorie:  Ritual versus Zeremonie, religiös/spirituell versus therapeutisch

Rituale und Zeremonien werden als Begriffe meist synonym gebraucht. Beide haben tatsächlich vieles gemeinsam. Sie brauchen eine gewisse feierliche Stimmung und einen Moment des Innehaltens im Alltag, der inneren Zentrierung. Häufig werden bestimmte Requisiten eingesetzt, z. B. der Geburtstagskuchen, Blumen und Kerzen, Symbole wie ein Schlüssel, ein Ring oder bestimmte Kleidungsstücke. Abläufe sind häufig vorgeplant, sozusagen als ‚Protokoll‘, nach dem einzelne Handlungen und Gesten vollzogen werden. In Filmen und in den Erinnerungen von Familien sind dies besondere Momente, bei denen Tränen rollen und manche Versöhnung mit dem anderen Menschen oder dem eigenen Leben möglich wird.


Es gibt jedoch einen Unterschied und der liegt in ihrer Wiederholung: Rituale sind eher gleichbleibende, wiederkehrende Vorgänge, die sich als roter Faden durch ein Menschenleben ziehen können, ja die sogar ein ganzes Volk in ähnlicher Weise vollzieht wie z. B. Weihnachten. Als religiöse Handlung oder bei einem ‚Heilungszweck‘ erhöhen Rituale mit jeder Durchführung ihre Wirkung (wie Menschen wissen, die viel meditieren oder beten). Rituale stabilisieren und harmonisieren die Psyche, sie verbinden Menschen in Gemeinschaften, sie vermitteln Wertschätzung und geben dem Leben regelmäßige Lichtpunkte durch Freude, Besinnung oder besonderen Genuss. Sie zeigen uns, dass es bei aller Veränderung doch Verlässliches in unserem Leben gibt. So  beruhigen sie in turbulenten Zeiten wie z. B. das persönliche abendliche Einschlafritual eines Kindes.


Zeremonien dagegen sind einmalige Ereignisse, die zu einem besonderen Anlass vollzogen werden, der oft eine individuelle Bedeutung hat (wie die Hochzeit, eine Einweihung oder eine Verabschiedung). Weit mehr als bei einem öffentlichen Ereignis wird in einer privaten Zeremonie ein innerer Prozess vollzogen, der diesen Menschen für diesen Moment in den Mittelpunkt stellt. So geschieht dies häufig zu Beginn oder zum Ende einer Lebensphase. Die Abläufe sind zwar auch oft in der jeweiligen Kultur ähnlich, aber es besteht ein Spielraum für individuelle Gestaltung.


Therapeutische Zeremonien haben eine zusätzliche Absicht, können aber jederzeit durchgeführt werden, unabhängig von einem Lebensereignis. Sie sollen eine psychische Standortveränderung ermöglichen, die sonst nicht oder nicht wirksam erreicht würde (dazu gleich mehr).  Sie benötigen dazu eine spezielle Vorbereitung und einen Rahmen, in dem ein Mensch sich einerseits geschützt fühlt und andererseits heraus gefordert wird.

In Abgrenzung zu religiösen oder spirituellen Zeremonien und Riten ist ein transzendenter Aspekt zwar möglich, jedoch für ihre Wirksamkeit überhaupt nicht notwendig. Die Veränderungen sollen als neue ‚Eindrücke‘ im Unterbewusstsein geschaffen und verankert werden, denn von dort aus steuern sie unterbewusst zukünftige Motivationen, Erwartungen und Handlungen. Für ihre Durchführung muss man also nicht ‚gläubig‘ sein.

Eine Reihe von Psychotherapieschulen haben Zeremonien als wirksame Methode für sich entdeckt, von der einzelnen Geste wie in Familien- und Systemaufstellungen bis zur kompakten Handlung mit intensiver Vorbereitung, z. B. beim Zelebrieren eines Abschieds. Humanistische Schulen wie Psychodrama, Gestalttherapie, Logotherapie u. a. haben erkannt, dass in Zeremonien etwas Spezielles passiert: Eine magische innere Grenze wird überschritten, die etwas zurück lässt, dass überwunden werden soll oder das zu verabschieden ist, und den Menschen in eine neue Lebensphase mit neuer Identität hinein katapultiert. Bei großen Lebensveränderungen schaffen sie oft in kurzer Zeit den psychischen ‚Durchbruch‘, der sonst lange dauert oder vielleicht innerlich stecken bleibt.

 

Was genau passiert dabei in der Psyche?

Zeremonien setzen dort an, wo Angst und innerer Widerstand anstehende Schritte schwer machen oder sogar verhindern. Menschen drehen sich oft durch lange Schleifen der Vermeidung, weil das Bisherige ihnen noch sehr nah ist oder sie Scheu vor dem nächsten Schritt haben. Doch das Leben jedoch geht weiter und so wie wir vom Jugendlichen zum Erwachsenen reifen müssen, sind auch andere Lebensübergänge zu meistern. Sie gehen mit Abschiedsgefühlen einher, oft auch mit noch nicht geklärten Themen aus der Vergangenheit, die auf ihren Abschluss warten. Eine gewisse innere Erwartungsspannung gehört auch dazu: Werde ich dem Neuen gewachsen sein? Wird es gut für mich sein? Werden solche Übergänge mit Klärung, Abschied und Neubeginn nicht vollzogen, bleiben Menschen oft in Lähmung stecken, in chronischer Trauer, Selbstzweifeln oder Groll, sie gehen in sozialen Rückzug oder in Ablenkungsmanöver wie Fernsehen,  Aktionismus, Suchtmittel oder Tagträume. Ein aufgeschobenes Problem ist aber nicht gelöst, sondern wird schon deshalb bedrohlicher, weil es den freien Lebensfluß behindert. Neues kann nicht eintreten, wenn Vergangenes nicht Platz macht.

 

Hinter diesem Widerstand stecken psychische Mechanismen, die ich gerne ‚die Wächter des inneren Gleichgewichts‘ nenne (ähnlich den psychoanalytischen Abwehrmechanismen nach Siegmund Freud, aber inhaltlich weiter gefasst und mit größerem Handlungsspielraum ausgestattet). Ihre Aufgabe ist es, uns vor Überforderung und Gefahren zu schützen, wenn eine neue Lebensveränderung großen Aufwand oder gar großen Schmerz bedeuten würden oder wenn unbekannte Herausforderungen mit Gefahren drohen. Oft wollen wir auch nicht an ein Thema heran gehen, weil damit alte Pakete von Leid oder Frust ins Bewusstsein geholt werden. Denn die Wächter sind eher vermeidungsorientiert. Und dazu höchst konservativ: Was neu ist wird erst einmal sie misstrauisch in Frage gestellt. Ihnen sind ihre vertrauten Lebensstrategien lieber und sie sind nicht leicht von den Vorteilen einer Veränderung zu überzeugen. Wer sich noch nicht vorstellen kann, wohin ein neuer Weg geht, der bleibt oft besser da, wo er sich auskennt. „Besser das vertraute Unglück, als das unvertraute Glück“. Menschen mit starkem Sicherheits- und Kontrollbedürfnis und einem durch und durch geregelten Leben hadern oft mit dem ‚Fluss des Lebens‘, der sie zur Veränderung aufruft. Sie können so in ‚unfertigen‘ inneren Veränderungen stecken bleiben. Auch viel Intellekt, Grübeln und Theoretisieren können einen emotionalen Lösungsprozess verhindern.  

 

In einer ‚heilsamen Zeremonie‘ kann dann das vollzogen werden, was emotional notwendig ist, aber allein oft nicht gelingt. Dies ist z. B. rückwirkend die Klärung und Würdigung des Vergangenen, auch die Trauerarbeit beim Loslassen. Und nach vorne kann es die Ermutigung zu neuen Schritten bringen. In der Mitte einer Zeremonie gibt es einen kurzen magischen Moment bei Schritt  ‚über die Grenze‘. Der Blick dreht sich zurück auf das Vergangene, das abgelegt wurde, und dann nach vorn. Mitten zwischen ‚nicht mehr‘ und ‚noch nicht‘ geschieht ein kurzer, aber wichtiger unterbewusster Umbauprozess, eine Neuorientierung. Oft nehmen wir ihn nur als Moment der ‚Leere‘, des ‚Luftholens‘ oder kurzer ‚Verwirrung‘ wahr. Dann folgt der bewusste Schritt ‚nach vorn‘ in die Zukunft hinein. Therapeutische Zeremonien haben also ebenfalls 3 Phasen: Das Vorher – den Übergang – das Nachher. Wie beim „Phoenix aus der Asche“ gehört die Phase der Asche dazu. Nur dass dies in recht kurzer Zeit geschieht, sozusagen im ‚Zeitraffer‘.

 

Die Strategie und Vorgehensweise

Die Magie von Zeremonien liegt darin, dass sie einen komplexen inneren Zusammenhang in symbolischer Form in recht kurzer Zeit vollziehen. Das Unterbewusstsein ‚tickt‘ anders als der bewusste Verstand. Es arbeitet mit Bildern (zu etwa 80%), aber auch mit Gerüchen, Tönen und anderen Sinnesempfindungen. Unsere Erinnerungen sind selten als Worte gespeichert, sondern in komplexen Abfolgen von Szenen. Doch sie steuern uns unbewusst weit mehr als ‚Ratio‘ und ‚Augenblick‘. Unterbewusste Lebenserfahrung lenkt unsere Wahrnehmung, die unbewusste Bewertung, daraus folgende Entscheidungen und Handlungen – mitsamt aller dazu gehörender Gefühle. Je intensiver ein Erlebnis war, je häufiger eine Botschaft wiederholt wird oder je bedrohlicher eine Gefahr erscheint (weil z. B.  traumatische Vorerfahrungen vorliegen), desto machtvoller nimmt es Raum ein und verhindert dadurch oft neue Lebensweisen. Manchmal nennen wir es ‚Gewohnheiten‘, aber es steckt mehr Komplexität dahinter als ein einfaches antrainiertes Verhalten. 

Zeremonien nutzen nun den Umstand, dass das jeweils letzte ‚Bild‘ (oder der Sinneseindruck) etwas Vorhergehendes ablösen kann. Durch den Einsatz von Symbolen und symbolischen Handlungen wird eine neue ‚Lösung‘ wie eine Szene in einem Bühnenstück inszeniert, die das bisher gültige Bild nach hinten drängt oder für nicht mehr gültig erklärt.  Diese ‚Inszenierung‘  ist umso eindrücklicher,  je lebhafter die 5 Sinne und die Gefühlswelt eines Menschen angesprochen werden. Da darf auch bei aller Ernsthaftigkeit der Absicht die Phantasie mitspielen. Typische Symbole und symbolische Handlungen können sein, Ringe auszutauschen, Kleidungsstücke abzulegen, Briefe zu verbrennen, Versprechen abzugeben, eine symbolisch angedeutete Grenze zu überschreiten.

Symbole und symbolische Handlungen arbeiten also als Stellvertreter, wodurch eine Zeremonie auch dann wirksam ist, wenn im tatsächlichen Außen noch alles beim Alten ist. Denn sie setzen neue innere Bilder an die Stelle der Alten , sozusagen einen neuen ‚inneren Anker‘. Eine neue innere ‚Realität‘ ist entstanden und die unterbewusste Psyche weiß: „Das ist jetzt gültig, nun muss ich die Diskrepanz zwischen Innen und Außen aber noch aufheben, indem ich das Außen entsprechend verändere“. Das geschieht jenseits des bewussten Verstandes, der sich dann  nur manchmal wundert, warum etwas ‚anders‘ läuft. Ein Beispiel wäre die Verabschiedung eines Berufstätigen in den Ruhestand. Das Unterbewusstsein ‚fühlt‘ nach vollzogener Zeremonie bereits den Ruheständler in sich, so dass der emotionale Abschied aus der Berufsidentität, die nun nicht mehr stimmig ist, forciert wird.


Zeremonien fordern also einen inneren Prozess heraus, schützen aber gleichzeitig vor unnötiger Schwere. Sie begrenzen die Zeit des emotionalen Höhepunktes auf einen kurzen Akt, schleusen Emotionen durch einen bestimmten Kanal - und ermöglichen damit kurzzeitig eine hohe Intensität. So wie ein Fluss an der engsten Stelle einer Schlucht die größte Kraft entwickelt, während er vorher und nachher ruhig dahin fließen kann. Diese Intensität macht es möglich, etwas bisher ‚Unmögliches‘ zu vollziehen und durch eine Engstelle hindurch zur Befreiung zu gelangen. Wichtig ist jedoch immer, nicht wahllos vorzugehen, ‚Hauptsache anders‘ gefällt der Psyche gar nicht. Vor der Zeremonie sollten Absicht,  Zielrichtung und Erfolgskriterien festliegen, damit sich die sicherheitsliebenden ‚inneren Wächter‘ darauf einlassen können. Wenn sie wissen, was und warum etwas zu tun ist, stellen sie sich darauf ein, Bisheriges loszulassen, denn Neues wartet schon. Deshalb benötigen therapeutische Zeremonien für ihre Wirksamkeit eine gute Vorbereitung: sowohl bezüglich der Bedeutung des anstehenden Schrittes wie der Absicht und der gesamten Inszenierung. Die Vorbereitung kann Stunden, Tage oder gar Wochen dauern, die Durchführung dagegen oft weit weniger als eine Stunde.


Einige Beispiele mögen das erläutern: die Initiation von Jugendlichen in die Erwachsenenwelt wird in vielen Naturvölkern noch heute mit einer großen Feier vollzogen: Haare werden abgeschnitten, Tattoos angebracht, Kleidung wird gewechselt, der Name ändert sich und sie ziehen aus dem Haus der Eltern in ein neues Haus. Wir kennen dies von Geistlichen, die mit ihrer Weihung oder dem Eintritt in einen Orden durch einen ähnlichen Prozess gehen. Für den Schritt über eine imaginäre Grenze in einer therapeutischen Zeremonie müssen wir allerdings keine Haare abschneiden oder die Wohnung wechseln, wir können z. B. alte Kleidung ablegen und ein auf dem Boden liegendes Seil überschreiten.


Die langfristige Wirkung kann weit stärker sein als der Akt selbst vermuten ließe. Immer bedeutet er, sich für das eigene Leben neu zu entscheiden und die uns innewohnende Lebendigkeit wieder frei zu lassen. Nach dem Kundtun der Entscheidung und dem ‚magischen Schritt über die Grenze‘ stellt sich meist tiefe Erleichterung ein: Es ist vollbracht! Diese Leichtigkeit wird nun gefeiert – der würdige Abschluss eines mutigen Schrittes. In der Folgezeit ist es wichtig, die neue innere Situation immer wieder bewusst wahrzunehmen, damit die Psyche darin ‚Wurzeln schlagen‘ kann. Neue Ideen bekommen im nun frei gewordenen Raum eine Chance zur Entfaltung. 


Es ist also dieses Zusammenkommen verschiedener Faktoren, das eine Zeremonie wirksam werden lässt:

·        eine feste Verabredung für Zeitpunkt und Ort

·        die Vorbereitung auf den wichtigen Schritt durch emotionale             und praktische Beschäftigung mit Absicht und Ziel (z. B. einen           Abschiedsbrief schreiben, Symbole suchen)

·        festliche Stimmung (oft ausgedrückt in besonderer Kleidung)

·        innere Konzentration und Stille während der Zeremonie                   z. B. eingeleitet durch einen Gongschlag)

·        Zeit ohne Ablenkung für das bewusste Empfinden der inneren           Vorgänge (Trauer und Dankbarkeit, die Übergangsphase von           leichter Leere und Verwirrung, dann Erleichterung und Freude)

·        das bewusste Loslassen von Symbolen, die an Vergangenes             binden (oft mit Hilfe der vier Elemente Wasser, Feuer, Erde,             Luft: etwas wird einem Fluss übergeben, verbrannt, begraben           oder fliegt davon)

·        symbolisches Verändern der eigenen Identität (Ablegen von

         Kleidung, Name, Gewohnheiten )

·        symbolisches Überschreiten einer Grenze, von der es kein                 Zurück gibt (z. B. durch das Ablegen eines Versprechens an             sich selbst)

·        das Einladen von Neuem durch weitere Symbole (z. B.                     Kleidung, Glücksbringer, ein bedeutungsvoller Spruch)

·        ein Fest, um das Neue zu begrüßen (und dies vor anderen               kund zu tun wie bei einer Hochzeit)

·        in der nächsten Zeit dann kleine regelmäßige Übungen als               ‚Erinnerung‘, die das Erlangte festigen

 

Wo sind psychotherapeutische Zeremonien sinnvoll einsetzbar?

Zeremonien sind grundsätzlich in allen Phasen einer Lebensverän-derung einsetzbar. Das gilt auch für Kinder, die viele spielerische Elemente und ‚magischen Zauber‘ mögen. Natürlich kann jemand mit einer Zeremonie auch seinen Sommerurlaub einläuten, aber grundsätzlich wird sie mit einem drängenden Anliegen und hoher emotionaler ‚Ladung‘ wirksamer. Leidensdruck erhöht die Bereitschaft sich einzulassen, fördert die innere Zentrierung und den Mut.


  • Am Beginn einer Lebensveränderung können sie den Startschuss geben. Themen und Gefühle aktiv ins Bewusstsein rufen und Motivation erzeugen. 

·     Sie schaffen innere Klarheit darüber, was aufzuräumen oder zu        verabschieden ist (eine Lebensphase, ein unerfüllt gebliebener          Traum, eine beendete Beziehung, ein Aspekt der eigenen                Identität, hemmende Glaubenssätze oder die Folgen eines                unguten Verhaltensmusters).

 

·     Im Verlauf eines längeren Prozesses der Veränderung,                    besonders in Phasen von Stillstand, Ermüdung oder                          Unsicherheit, machen sie Mut, innere oder äußere Blockaden            aufzulösen und führen zu Entscheidungen.

 

·     Am Beginn einer neuen Lebensphase begrüßen sie eine neue            Vision, fördern Überzeugung und aktivieren Energie und                  Ressourcen zur ihrer Verwirklichung

 

·     Als Rückblick auf Erlebtes und Erreichtes drücken sie Wert-

      schätzung und Dankbarkeit aus, stabilisieren oder vollziehen            eine Weihung.

 

·     Auch rückwirkend können sie etwas klären, in Frieden bringen          und verabschieden, das bereits gegangen ist (z.B. bei                      vorgezogenem Ruhestand ohne Abschiedsfeier). Selbst lang              zurückliegende Ereignisse lassen sich so noch einmal würdevoll        achten und von Schmerz befreien.

 

  

Jeder für sich oder gemeinsam in einer Gruppe?

Beides hat seine Vorzüge. Als Einzelperson liegen die Wahl von Ort, Zeitpunkt und Art der Durchführung in der eigenen Hand. Vielen Menschen fällt es auch leichter, heftige Gefühle und andere intime Dinge zuzulassen, wenn niemand sonst zugegen ist. Andererseits hat ein Erleben in der Gruppe die Vorzüge gebündelter Energie und Motivation, sozusagen einen Synergie-Effekt: 1+ 1 = 3. Gruppen verhindern das heimliche Vermeiden, unterstützen bei der Vorbereitung, sorgen für gemeinsame Konzentration und helfen, wenn der eigene Mut nachlässt. Freude und Schmerz werden geteilt, die Energie lädt sich auf und führt zu einer lockeren Stimmung und Vertrautheit miteinander. Solche Gruppen sind wahrlich ‚anders‘ als trockene Fortbildungen und oft sogar intimer als manches Verwandtschaftstreffen. 


Besonders die Erkenntnis, nicht allein da zu stehen mit eben diesem Problem, bedeutet für viele Menschen bereits einen Trost. Das gegenseitige ‚Spiegeln‘ unter Gleichgesinnten stimmt sie hoffnungsvoll, jeder kann dem anderen Vorbild sein und mit seinen Ideen zu Lösungen beitragen. Gute Gruppen haben immer ihr ganz eigenes ‚Gesicht‘ und erschaffen eine Atmosphäre, in der sich jeder mit seiner Individualität geschätzt fühlt. Die Seminarleitung sorgt für den äußeren Rahmen, steuert Abläufe, gibt Anregungen und erlaubt so jedem Teilnehmer, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren.


Wichtig zu wissen ist auch, dass wir emotional nicht schnell ‚aus dem Ruder laufen‘. Unsere Psyche hat eingebaute unbewusste Mechanismen, die bei ‚zu viel Gefühl‘ den Energiehahn zudrehen, um uns vor Überforderung zu schützen. Wir empfinden dann oft so etwas wie plötzliche Erleichterung, manchmal auch ‚Nebel im Kopf‘, so als hätten wir den ‚Faden verloren‘. Gruppenteilnehmer spüren auch intuitiv, wie viel Persönliches sie einbringen können, ohne sich verletzbar zu fühlen. Geschieht dennoch eine langsame Öffnung, dann wird das individuell Erlebte zum gemeinsam Vollbrachten. Die Stimmung und die Vertrautheit in einer solchen Gruppe zum Abschluss einer Zeremonie sind unvergleichlich ... 

 

                                                                               

 

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin

bei

Seminare und Coaching Rhein-Sieg

 


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