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Biographiearbeit -  

Identität - Versöhnen - Zukunftsvisionen 


Biographiearbeit ist ein moderner Boom, jedoch existiert sie seit Urzeiten. Heute ist Biographiearbeit besonders geeignet, die Auswirkungen der Schnelllebigkeit des gesellschaftlichen Wandels und der damit einhergehenden Wendepunkte in der eigenen Biographie auszugleichen. Die erzählende Person mit ihrem wachsenden Sinn für die eigene Identität verbindet das Auf und Ab wieder zu einem durchgehenden Verlauf, sogar über Brüche, Krisen und Wachstumsschübe hinweg, die notwendig wurden, um schwierige Herausforderungen zu meistern. Es werden die eigenen Wurzeln beleuchtet, auch vor dem Hintergrund geschichtlicher Ereignisse mit ihrem jeweiligen Zeitgeist. Schöne Erlebnisse und Erfolge werden neu belebt, Verluste betrauert und traumatische Ereignisse durchgearbeitet. Die vielleicht unsichere oder durch Trauma erschütterte eigene Identität wird gefestigt, das Selbstvertrauen gestärkt, die Weiterentwicklung der Persönlichkeit und der Lebenseinstellung über die verschiedenen Lebensphasen wird nachvollzogen. 


Es entwickelt sich ein tieferes Verständnis von Kohärenz und Sinnhaftigkeit: Menschen entdecken im geduldigen Nachvollziehen der Etappen ihres eigenen Lebensverlaufs einen roten Faden und finden zuletzt in der Gesamtschau mit einer Bilanz zu innerem Frieden. "Wir sind Gewordene", sagte Martin Buber, und meint damit das ganz individuelle Zusammenspiel unserer mitwachsenden Persönlichkeit mit den Ereignissen unseres individuellen wie des öffentlichen Lebens. Darin verborgen liegt ein tiefer liegendes Muster wie ein kunstvolles Mosaik aus Tausenden von bunten Steinchen, dessen Sinn und Ziel oft erst nachträglich begreifbar wird: "Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muss man es aber vorwärts" (Søren Kierkegaard). Wer am Ende durch die Rückschau sein eigenes Muster entdeckt hat und verschollen geglaubten Begabungen und Träumen wieder begegnet, findet auch Mut und die für ihn stimmigen Zeichen für Entscheidungen, die in die Zukunft weisen. 


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Die persönliche Biographiearbeit ist eine leise und langsame Angelegenheit, die uns dennoch voll fordern kann, wenn wir in die Tiefe gehen. Das Erinnern beginnt meist an der Oberfläche: "Ich bin geboren am … in …, meine Eltern waren …", wandert dann jedoch schnell hin und her zu immer neuen Personen, Themen, Orten und Erlebnissen. Dabei werden mehr und mehr längst verblasste oder sogar vergessene Erinnerungen wieder wach gerufen ("Vorbewusstes" in der Psychoanalyse) mit all den daran gebundenen sinnlichen Eindrücken (5 Sinne) und Gefühlen. Ja, wir erinnern oft seltsame Details während uns andere verloren gingen, Szenen wie aus einem Film, sogar Gerüche und Laute, die in diesem Moment besonders eindrücklich waren. Erinnerungen sind in einem "episodischen Gedächtnis" gespeichert, nicht in chronologischer und sachlich korrekter Abfolge wie in einem Geschichtsbuch. Es geht um persönliche Bedeutung und Wirklichkeit, nicht um einen objektiven Wahrheitsgehalt. 


Unsere Erinnerung kann uns auch täuschen und Einzelheiten verändern oder neu anordnen, mit besonders vielen Sinneseindrücken beleben oder einfach als subjektiv unwichtig fallen lassen. Daher können wir über Erinnerungen nicht streiten - jede Person hat ihre eigene Geschichte im Kopf. Dieser subjektive Aspekt betrifft auch sogenannte Schemata, in denen häufige und ähnliche Ereignisse zu einem einzigen Film komprimiert sind (z. B. die sonntäglichen Gänge zur Kirche). Je detailreicher und emotionaler wir Erinnerungen zulassen, je persönlicher wir erzählen, desto mehr erleben wir diese erlebte Fülle an Eindrücken als einen inneren Reichtum, auch wenn vieles damals eher düster als schön war. Ein "erfülltes" Leben ist nicht unbedingt ein leichtes oder gelungenes "Wunschleben", sondern eben eines mit einer Fülle von emotional berührenden  Erlebnissen. 


Gelegentlich taucht auch Traumatisches aus dem verdrängten Unterwussten auf, was an dieser Stelle nicht unbedingt gewollt ist, da es den Menschen überfordern kann. Doch auch hier kann eine behutsam angeleitete Biographiearbeit helfen, eine höhere Akzeptanz für die Folgen zu erreichen, z. B. in der Erfahrung, dass es anderen ähnlich erging (was vielen "Kriegskindern" rückwirkend half, dem Leben für die "gestohlene Kindheit" zu verzeihen). Vor allem die wissenschaftliche Forschung in Soziologie, Pädagogik, Psychologie und Geschichte nutzt verschiedene Ansätze biographischer Arbeit, um historische und gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen nachzuvollziehen oder psychologische Prozesse bei Einzelnen zu untersuchen. 


Biographiearbeit hat für verschiedene Menschen und ihre Anliegen jeweils eigene Methoden zu bieten. Im Kern versuchen alle Ansätze dem Einzelnen zu helfen, sein Leben als Ganzes zu begreifen, mit allem Auf und Ab akzeptieren zu lernen und daraus Kraft und Ziele für Entscheidungen zu generieren. Das Erinnern wird eingeladen durch Anregungen, z. B. durch gezielte Fragen (z. B. Interviews, Fragebögen), durch persönliche Erinnerungsstücke und Fotos, durch das Zuhören der Lebenserinnerungen anderer, durch Zeugnisse der Zeitgeschichte (Museen, Bücher, Filme), durch Besuche von Orten der eigenen Geschichte (z. B. Heimatbesuche von ehemaligen Vertriebenen), durch das Pflegen von Traditionen (z. B. über Weihnachtsbräuche, Dialekte). In anthroposophischen Kursen wird nach einem 7-Jahres-Lebensphasenschema analysiert, welche Wachstumsaufgaben bereits vollzogen wurden oder gerade jetzt anstehen. 


Neben dem narrativen Stil (Erzählung) haben längst auch andere therapeutische Techniken Einzug in die Biographiearbeit gefunden, ohne dass diese immer "therapeutisch" zu sein hätten: kreative Darstellungen (Collagen oder Skulpturen), szenische Darstellungen (z. B. Psychodrama), Gruppenarbeit mit Stellvertretern (z. B. sog.  Familienaufstellungen), Rollenspiele (z. B. zur rückwirkenden Konfliktklärung), Zeremonien (z. B. um Abschied zu nehmen) u.v.m. Diese sind in ihrer klaren symbolischen Ausdruckskraft oft höchst emotional und auch gut geeignet für Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen Behinderungen oder bei Sprachbarrieren. Selbst Kinder und Jugendliche (z. B. Adoptivkinder) können damit ihre Identität entwickeln trotz fehlender oder konfliktbeladener leiblicher Familienwurzeln. Auch ein alter Mensch mit nachlassenden geistigen Fähigkeiten im Alltag hat noch eine gut gefüllte Erinnerungswelt, die immer wieder Identität, Orientierung und Lebendigkeit stiften kann (das Langzeitgedächtnis ist auch im hohen Alter meist gut erhalten). Um diese Fülle zu erschließen hilft oft eine aktivitätsorientierte Erinnerungsarbeit, z. B. das Zelebrieren von traditionellen Festen, das Singen alter Lieder, selbst das Ausführen alltäglicher Handlungen wie Handarbeiten oder Kochen. 


Wir können uns beschränken auf konkrete Themen wie Familie oder beruflichen Weg - oder den großen Wurf wagen und unser Leben als Ganzes zusätzlich in einen geschichtlichen Zusammenhang stellen. Wir können die Erinnerungen leise aufsteigen lassen und bei uns behalten oder sie laut hinaus rufen als Mahnmal. Wir können uns damit Zeit lassen und in Etappen voran schreiten oder den Prozess geballt und intensiv vollziehen wie in mancher Auszeit. Die Literatur mit verschiedensten Anleitungen ist umfangreich. Es lohnt sich, für den Anfang nach einem passenden Impulsgeber zu suchen (z. B. Erinnerungsbücher wie "Opa (Oma, Mutter, Tante…) erzähl doch mal"), vielleicht sogar nach einer Gruppe von Mitstreitern, die ihre Erlebnisse miteinander teilen und sich gegenseitig inspirieren. An vielen Orten sind sogenannte "Erzählcafés" entstanden, wo regelmäßig in vertrauter Runde in den ganz persönlichen Erinnerungen gestöbert wird. 

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin

bei

Seminare und Coaching Rhein-Sieg

 


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