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Ein ziemlich sicheres Kochrezept für Burn-out             

    


Man nehme …


aus den vorgeschlagenen Zutaten jeweils eine größere Menge nach eigenem Geschmack. Als Basis bietet sich an:


eine große Portion Leidensbereitschaft, gerne aus dem alten Fonds früherer Vorbilder, strengen Erziehungsregeln der Kindheit und Ausbildungsdrill

- „the dedicated and committed“ - die Hingebungsbereiten und Verpflichteten

- hohe langfristige Ziele und  gravierende Lebensentscheidungen

- Illusionen ("eines Tages wird ... wenn erst .... so wurde es versprochen ..." )


dazu eine Schaufel spezieller Persönlichkeit, z. B.

- sensibel, mitfühlend und helfend

- ehrgeizig, perfektionstisch, ungeduldig

- duldend und aggressionsgehemmt

- verantwortungsbewusst bis „schuldig“

- abhängig und ängstlich-vermeidend

- nach Anerkennung lechzend, entweder selbstunsicher oder narzisstisch

 

ergänze die Hauptzutaten durch mindestens eine

weitere Aufgabe oder Belastung wie

 anstrengender Beruf plus Haushalt plus …

- Trennung/ Scheidung, Hausbau, Geburt eines Kindes

- pflegebedürftige Angehörige

- chronische Krankheit

- anstrengendes Ehrenamt, Jobwechsel

   

und verfeinere mit sich ungünstig entwickelnden Bedingungen

- Hausbau mit Komplikationen

- Sterbeprozesse bei Angehörigen

- im Beruf Entlassungssorgen, schlechte Beurteilungen, Mobbing,

  Konkurrenzerleben, Überforderung oder Unterforderung und

  Eintönigkeit, geringer Informationsfluss, Springer-Funktion, Dienstreisen ...

 

setze das Ganze in einen großen Schnellkochtopf

institutionelle, gesellschaftliche und globale Entwicklung hin zu mehr

- Termindruck, Schnelligkeit, „Verfügbarkeit“ (unbedingt soziale Netze, Smartphones ...)

- Bürokratie, Komplexität und Undurchschaubarkeit

- Leistungs- und Perfektionsdruck (der Osten/Westen/Süden/Nachbar schläft nicht...)

- „hire und fire“, Zukunftssorgen, Veränderung umfassend und unvorhersehbar

- Umweltgifte, Verkehrsstaus, Nachrichtenflut ...

 

und schließe mit einem festen Deckel und Klick

Verhindere Flucht (!) und erzeuge Hilflosigkeit (!):

- keine wirksamen Hilfsangebote 

- keine soziale Unterstützung

- keine Information über Auswege

- keine Anerkennung

- keine Mitbestimmung, sich nicht wehren können

  

Dann koche langsam hoch bis zum Sieden

Erzeuge die Vorstellung, mit Mehranstrengung sei das zu schaffen, andere können

das doch auch und es werde sich schon irgendwie auflösen…

 

und reduziere dabei schrittweise die Zufuhr von Sauerstoff auf ein Minimum. 

- lasse jedes Freizeitleben fallen zugunsten der Pflichten und wenn, dann freudlos-ungeduldig

- sorge für sozialen Rückzug und zunehmendes Fremdheitsgefühl gegenüber anderen

- grüble nachts, vermeide Entspannungsübungen und jede Moment stiller Besinnung

- übersehe Warnzeichen des Körper (Schlafstörungen, Müdigkeit, Schmerzen, Infektionen,

  Hörsturz, Herzrasen, Hautprobleme, Haarausfall, Magenbeschwerden  ...),

  des Geistes (Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, Grübeln, Selbstzweifel, Sorgen )

  und der Gefühlswelt (Reizbarkeit, Freudlosigkeit, Gleichgültigkeit, Zynismus, Wut- und

  Weinanfälle, Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit oder wahlweise innerer Leere)

- vermeide Hilfsangebote und überhöre Warnungen von  Kollegen und Angehörigen

 

So erzeugst Du einen Teufelskreis, der länger köcheln sollte.

Eine Spirale aus Hilflosigkeit, immer mehr Überanstrengung und immer weniger Auftanken. Es entsteht sozusagen eine "Energieschulden-Spirale". Diese ähnelt der Verschuldungsspirale auf dem Bankkonto und passiert am besten schleichend bis zur scheinbaren Gewöhnung.


Jetzt füge als Sahnehaube ein auslösendes Ereignis hinzu mit abruptem Anheben des Deckels. Erzeuge so einen Zusammenbruch.

- Kritik oder Abmahnung durch Vorgesetzte wegen nachlassender Arbeitsleistung

- Unfall oder Missgeschick (durch nachlassende Konzentrationsfähigkeit bedingt)

- Beschwerde der Kinder, Trennungsabsicht des Partners, abspringende Freunde

- warnende Worte des Hausarztes, heftige Infektionskrankheit, schlechte Laborbefunde

- Besuche bei Beerdigungen, Filme über den Zusammenbruch anderer Personen

- eigene unkontrollierbare Aggressionsausbrüche, Panikattacken oder Weinanfälle,

  gerne an „unpassender“ Stelle

 

Halte diesen noch eine Weile heiß

- Vermeidung, Hilfe zu suchen oder anzunehmen

- weiterer Rückzug nach innen bis zur Isolation, Scham- und Schuldgefühle

- „Selbstmedikation“ mit Alkohol, Aufputsch- oder Beruhigungsmitteln,

   TV, Internetspielen ... schöne Illusionen für Momente, die bald Nachschub brauchen

- Vermeidung von schönen Erlebnissen, Lachen, Natur, Pausen, Sport

- Vermeidung schon des Gedankens an eine Auszeit oder Krankschreibung

- Nichtbeachtung ärztlicher Ratschläge und Nichteinnahme verordneter Medikamente

- Konzentration auf das Gefühl innerer Leere, auf Schuld- und Versagensgefühle

  sowie Gedanken von Ausweglosigkeit, Selbsthass und Abgelehntwerden

  (kognitive depressive Triade nach BECK) 

  

 oder koche ihn wieder auf zum Rückfall

- zu früh aus der Krankschreibung zurück an den Arbeitsplatz, möglichst

  mit Schuldgefühlen gegenüber Kollegen, Eifer und vollem Schreibtisch

- keine vorsichtige Wiedereingliederung z. B. nach dem „Hamburger Modell“

- Ablehnung von offenen Gesprächen mit Vorgesetzten und Änderungsvorschlägen  

- Rückkehr nahtlos zu bisherigen Verhaltensweisen und Überzeugungen (Routinen)

- Vermeidung jeder inneren Auseinandersetzung mit der Krise, wahlweise auch

  Betrachtung der Krise als (höchst ungerechtem) Schicksalsschlag

- neue Ultimaten für sich selbst und neue hohe Ziele, das "Versagen" auszugleichen

 

Dieser klebrige Sud ist nun vielseitig verwendbar, z. B. als Grundstock für eine ausgereifte Depression, (auch mit suizidalen Überlegungen), eine satte Angststörung oder eine schwere akute oder chronische somatische Erkrankung.

Kühl gestellt eignet sich die dann feste schwarze Masse später für weitere Diagnosen oder lebenslange Verbitterung, einen Antrag auf Frühberentung und begleitend die Festigung von Sucht, sozialer Vereinsamung, Couchleben und Verwahrlosung.

- unbedingter Schutz der „Opferhaltung“ vor allen Angriffen durch Selbsthilfegruppen,

  Psychotherapie, Coaching oder anderen bereichernden Impulsen (z. B. tolle Reisen, neue

  Beziehungen, Kreativität, sinnvolle Aufgaben, spiritueller oder menschlicher Sinn)

- Vermeidung jeden Bezugs zur eigenen Person und der Erinnerung an frühere schöne

  Lebensziele und gemeisterte Krisen oder Erfolgserlebnisse

- weitere Reduktion von Lebensqualität, Spielraum und Selbstfürsorge (da ja „unverdient“)

- „Warten auf Godot“ und andere Retter, Nutzung des „sekundären Krankheitsgewinns“(!)

  durch Einspannen Dritter vor den Karren, bis diese abspringen (neue Frust-Garantie)

- unbedingte Vermeidung von Erkenntnissen über Selbstverantwortung für das eigene Leben

  und die 1001 Möglichkeiten, „Selbstwirksamkeit“ zu üben und Selbstliebe zu praktizieren

- Sammeln weiterer Argumente, warum die Welt immer schlechter wird (Nachrichten!)

- Imagination des eigenen Sterbens und Todes mit  Bildern von Schmerzen, Siechtum,

  Vergessen-sein,Würmern, "Fegefeuer und Hölle"

  

Im Dunkeln verwahrt entwickelt die Masse zuletzt eine feine schimmel-fleckige Reife für einen freudlos-faden Ruhestand und eine insgesamt enttäuschende Lebensbilanz, die - lang genug unangetastet - keinen Ausweg mehr lässt, weil schlicht „die Zeit um ist“, um das Leben nochmal richtig anzupacken. 


Bewahren Sie das Rezept auf, probieren Sie verschiedene Varianten aus, um aus dem "immer- wieder-passiert-nur-mir-das-Kreislauf " nie herauszufallen und geben Sie das Rezept an Ihre Lieben weiter.


Oder Sie räumen kräftig auf und öffnen sich (wieder) für einen fröhlich-mutigen und liebevollen

N e u a n f a n g !     

 

Petra Uhlenbrock

Diplom-Psychologin -

Psychologische Psychotherapeutin

bei

Seminare und Coaching Rhein-Sieg

 


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